EMDR-Verfahren

Da wir häufiger von Patient:innen zum Therapieverfahren „EMDR“ befragt werden, möchten wir Ihnen die einzelnen Behandlungsphasen etwas näherbringen. Wir beginnen mit den Grundlagen und der Frage: “Was ist überhaupt EMDR?“, und danach erklären wir etwas genauer einzelne Behandlungsphasen. Am Ende haben wir 4 Videos eingefügt, in denen eine EMDR-Sitzung einmal beispielhaft dargestellt wird - Sie dürfen also gespannt sein!

Für was steht EMDR?
Es ist die Abkürzung für "Eye-Movement Desensitization and Reprocessing", scherzhaft auch verwendet für "Einmal Musst Du Ran".  Wörtlich könnte man es in etwa übersetzen: Desensibilisierung und Aufarbeitung durch Augenbewegungen. 

Wann wird es eingesetzt?
Es handelt sich um eine psychotherapeutische Zusatzmethode, die klassischerweise zur Unterstützung der Verarbeitung traumatischer oder belastender Erfahrungen eingesetzt wird.

Was genau verbirgt sich nun unter diesem abstrakt klingenden Begriff?
Eines der wohl bekanntesten Merkmale des EMDR ist die sogenannte „bilaterale (also zweiseitige) Stimulation“. Klingt kompliziert - was ist nun damit gemeint? Mit diesem Verfahren werden beide Gehirnhälften des Patienten oder der Patientin im Wechsel stimuliert. Das klingt schwieriger als es letztlich ist. Klassischerweise werden die Augen abwechselnd nach links und rechts bewegt, während an eine belastende Erinnerung gedacht wird. Um dies zu unterstützen, bewegen EMDR-Therapeut:innen die Finger abwechselnd nach links und rechts und der Patient oder die Patientin soll den Fingern mit dem Blick folgen. Alternativ können zum Beispiel auch zwei Ei-förmige Vibrationsmotoren jeweils in eine Hand gelegt werden, die dann abwechselnd vibrieren. Als weitere Möglichkeit kann der Patient oder die Patientin sich mit den Händen selbst abwechselnd z. B. auf das linke und das rechte Bein klopfen.

(Wie) wirkt es?
Letztlich geht es darum, belastende Erfahrungen und Erinnerungen neu zu verarbeiten und ihnen gegenüber unempfindlicher zu werden. Erinnerungen an schlimme Erfahrungen sollen weniger Macht und Kontrolle über das eigene Leben erhalten. In einer EMDR-Sitzung helfen Therapeut:innen den Patient:innen gezielt eine gute Balance zwischen Auseinandersetzung mit schlimmen Erinnerungen und Gegenwartsbezug herzustellen. Im Jahr 2014 hat die Bundesärztekammer ein Gutachten zur Wirksamkeit von EMDR bei Anpassungs- und Belastungsstörungen veröffentlicht!

Wird EMDR in der Parkland Klinik eingesetzt?
Ja! In unserer Klinik finden regelmäßig EMDR-Schulungen für unsere psychotherapeutischen Mitarbeiter:innen statt und entsprechend findet diese Methode im Stationsalltag häufig Anwendung.

 

Nachdem wir Ihnen einen Überblick zum EMDR-Verfahren gegeben haben, stellen wir Ihnen nun verschiedene Phasen einer EMDR-Behandlung vor. Einige der Phasen kommen auch bei anderen traumatherapeutischen Verfahren vor.

Phase 1: Anamnese und Behandlungsplanung
Es geht darum, sich z. B. mit Hilfe einer Lebenslinie einen Überblick über die Traumatisierung(en) zu verschaffen ohne an dieser Stelle schon emotional allzu tief einzusteigen: Wann und wie lange hat/haben die Traumatisierung(en) stattgefunden und durch wen? Man bittet die Patient:innen ihre Belastung auf einer Skala von 1-10 einzuschätzen. Wichtig: Hier geht es wirklich nur um einen ersten Überblick!

Phase 2: Innere und äußere Stabilisierung
Ziel in dieser Phase ist es, Ressourcen zu aktivieren um später mit den emotionalen Herausforderungen der Behandlung umgehen zu können. Dazu zählen z. B. Strategien im Umgang mit hoher Anspannung wie Imaginationsübungen, Reorientierungsübungen, Distanzierungs- und Entspannungstechniken, Sicherheiten im sozialen/privaten Umfeld oder auch eine körperliche Stabilisierung - diese ist z. B. unter anderem häufig bei unseren Patient:innen mit Essstörung nötig.

Phase 3: Bewertung/Einschätzung
Traumatische Erlebnisse haben einen Einfluss auf die Art und Weise wie wir über uns selbst denken. Typischerweise entstehen durch eine Traumatisierung negative Überzeugungen bzgl. der eigenen Person. In dieser Phase geht es darum, diese genauer zu erarbeiten und die Emotionen, die mit dem Trauma in Verbindung stehen, zu aktivieren, sie wahrzunehmen, sie zu benennen und körperlich nachzuspüren.

Phase 4: Neuverarbeitung/Desensibilisierung
In dieser Phase kommen die für EMDR typischen Finger- und Augenbewegungen – also die bereits erwähnte „bilaterale Stimulation“ – zum Einsatz. Es geht in Phase 4 darum, das traumatische Erlebnis zu bearbeiten und im Verlauf dieses Prozesses traumabezogene Gedanken, Emotionen und Körperempfindungen zuzulassen und zu erleben. Das Ziel dabei ist, die empfundene Belastung durch das Trauma deutlich zu reduzieren.

Phase 5: Verankerung des erreichten Zustandes
Wenn die Belastung abgenommen hat, geht es nun darum, einen positiven Gedanken, den man vorher mit dem/der Patient:in erarbeitet hat (z. B. „Ich bin stark genug!“), mit der belastenden Erinnerung in Verbindung zu bringen. Der/die Therapeut:in gibt hierzu eine entsprechende Anleitung und unterstützt bei der Umsetzung.

Phase 6: Überprüfung der Restbelastung auf Körperebene
Hier wird anhand von Körperempfindungen überprüft, ob noch eine Belastung empfunden wird, die noch bearbeitet werden sollte.

Phase 7: Abschluss
Wie bei jeder traumatherapeutischen Technik wird auch bei EMDR besonderer Wert auf einen guten Abschluss der Sitzung gelegt. Hier kommen z. B. Distanzierungs- oder Entspannungsübungen zum Einsatz – vielleicht kennen Sie einige davon z. B. die sogenannte Tresorübung oder Reorientierungstechniken. Häufig wird auch zur Sicherheit ein Notfallplan besprochen, in dem Möglichkeiten für Krisen oder schwierige Situationen vorbesprochen oder vorbereitet werden.

Phase 8: Überprüfung Am Anfang der nächsten EMDR-Sitzung wird überprüft, ob das Ausgangsthema der letzten Sitzung vollständig verarbeitet wurde und somit abgeschlossen ist oder ob z. B. neue Erinnerungen aufgetaucht sind, die entsprechend bearbeitet werden sollten.

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