Milieutherapie

Anders als die ambulante Psychotherapie findet stationäre Psychotherapie im Schonraum einer Klinik statt. Dies kommt den krankheitsbedingt eingeschränkten Möglichkeiten der Alltagsbewältigung entgegen und bietet den Rahmen für eine rasche aktuelle Stabilisierung, aber auch für die Aufnahme vielfältiger Kontakte zu Mitpatienten. Die Rahmenbedingungen einer Klinik schaffen somit ein spezifisches Milieu, das therapeutisch genutzt werden kann.

Im Alltag der Klinik finden sich Teilaspekte des häuslichen Alltags wieder. Bisherige Verhaltensmuster werden auch hier praktiziert, Konflikte mit Menschen im Alltag häufig auch in der Klinik reinszeniert.

Hierfür bietet sich ein breitgefächertes Beziehungsfeld an, bestehend aus einer Vielzahl von Behandlern, Mitpatienten und den Besonderheiten des Zusammenlebens auf einer Station.

Insbesondere im Rahmen der therapeutischen Gemeinschaft der Station entwickeln sich Beziehungen und Gruppenprozesse (außerhalb der therapeutischen Veranstaltungen), die ein Spiegelbild der Alltagssituation darstellen können. Diese Prozesse entwickeln sich unbewusst, können daher in der Therapie noch nicht benannt werden und sind von daher für weitere Erkenntnisse und deren Bearbeitung zusätzlich hilfreich. Eine wöchentlich stattfindende Stationsgruppe dient dem Austausch und der Reflektion von Auffälligkeiten im stationären Zusammenleben.

Unsere hohe Bewertung dieser milieutherapeutischen Effekte wurde bestätigt in einer wissenschaftlichen Studie, die wir zusammen mit der Abteilung für Familientherapie der Universität Heidelberg (Prof. Cierpka) zur Reinszenierung dysfunktioneller Beziehungsmuster in der stationären Psychotherapie durchgeführt haben.

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